Lebenswelten

Neben der Entwicklung herzgesünderer Lebensmittel werden in einem zweiten, parallelen Ansatz maßgeschneiderte Ernährungsstrategien entwickelt, welche die Bevölkerung über die Risiken ungesunder Ernährungsgewohnheiten sowie den Nutzen eines gesunden Ernährungsverhaltens (inkl. des Verzehrs der verbesserten Lebensmittel) informieren und praktische Lösungs- und Umsetzungsvorschläge beinhalten. Die Empfehlungen werden an die unterschiedlichen Bedürfnisse angepasst, die sich bedingt durch Alter, Geschlecht, Lebensphase sowie soziale Umstände unterscheiden. In der ersten Förderperiode wird sich nutriCARD auf die Konzeptentwicklung für junge Familien, Kinder und Personen mit bereits erhöhten kardiovaskulären Risikofaktoren konzentrieren. Perspektivisch sollen Empfehlungen für alle Altersklassen und Lebensphasen entwickelt werden.

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Konzepte für Kinder < 10 Jahren

Das Projekt „Praktische Ernährungsbildung in Kitas - Kita i(s)st gesund" startete im Oktober 2015 mit dem Ziel Konzepte zur Förderung eines gesunden Ernährungsverhaltens und zur Verbesserung der Verpflegungsangebote in Kindertagesstätten zu entwickeln und zu evaluieren. Das 2-jährige Projekt wird durch das Thüringer Ministerium für Migration, Justiz und Verbraucherschutz finanziert, ist an der DGE Sektion Thüringen angesiedelt und in nutriCARD integriert.

Im Rahmen des Vorhabens werden maßgeschneiderte, gesundheitsfördernde Konzepte für 8-10 Pilotkindergärten in Thüringen entwickelt, umgesetzt und evaluiert. Die Ergebnisse dienen als Grundlage für politische Handlungsempfehlungen.

Konzepte für Jugendliche

Die Entwicklung innovativer Tools sowie die Nutzung neuer Medien (Apps) zur Verbesserung des Ernährungswissens und zum Erwerb der notwendigen Kompetenzen für die Umsetzung eines gesundheitsförderlichen Ernährungsverhaltens ist eine nutriCARD-Strategie zur Verbraucherinformation und -aufklärung.

Aktuell wird eine zielgruppenspezifische Smartphone-Ernährungs-App entwickelt, welche als ernährungsbildende Maßnahme insbesondere bei Jugendlichen zum Einsatz kommen soll.

Konzepte für junge Familien

Im Rahmen der Konzeptentwicklung zur Verbesserung des Ernährungsverhaltens in jungen Familien wird aktuell eine Erhebung der Unterstützungs- und Beratungsbedarfe durchgeführt. Hierbei werden Einstellungen, Wissen, Probleme und Praktiken in Zusammenhang mit der Ernährung erfasst. Das Teilprojekt wird federführend durch die Landesvereinigung für Gesundheitsförderung Thüringen e.V. (AGETHUR, nutriCARD-Kooperationspartner) durchgeführt. 

Das Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft der Universität Leipzig startete im Februar 2016 eine bundesweite Befragung zum Thema „Ernährung und Medienkonsum“ in der Zielgruppe „Junge Familien“. Erfragt wurden insbesondere Einstellungen zur Ernährung und der Art und Weise des Medienkonsums. Basierend auf den  Erkenntnissen wird eine Medienstrategie zur Verbraucheraufklärung ausgearbeitet, welche Journalisten, die sich mit der Berichterstattung ernährungs- und gesundheitsrelevanter Fragestellungen beschäftigen, sowie Moderatoren lokaler Fernseh- und Radiostationen, einbindet.

Konzepte für Personen mit erhöhten kardiovaskulären Risikofaktoren

Im Rahmen von nutriCARD wurde ein Ernährungskonzept (inkl. Tagesplänen und kardioprotektivem Ausdauertraining) entwickelt, welches im Hinblick auf die Zufuhr von Energie, Kohlenhydraten, Protein und Fett den Richtlinien der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE e. V.) entspricht. Zusätzlich wurde die Qualität des Nahrungsfettes verbessert, indem der Anteil an gesättigtem Fett zu Gunsten der einfach und mehrfach ungesättigten Fettsäuren reduziert wurde. Ein spezielles Augenmerk lag zudem auf der Deckung der Zufuhrempfehlungen für Ballaststoffe sowie den langkettigen omega-3 Fettsäuren. Ein weiteres Merkmal ist der relativ hohe Anteil an Gemüse, Ballaststofflieferanten, Obst sowie Milchprodukten, wobei hauptsächlich Alternativen zu den Vollfettvarianten integriert wurden. Auf Fastfood-Produkte (kalorienreich, nährstoffarm) und Lebensmittel, die einen hohen Anteil an einfachen Zuckern enthalten, wurde verzichtet.

Den Praxistest sowie die physiologische Bewertung erfährt das Ernährungskonzept derzeit in unserer Humanstudie unter dem Namen „Modulation kardiovaskulärer Risikofaktoren“ (MoKaRi). Das Herzstück der MoKaRi-Studie sind die nährstoffoptimierten, praxisnahen Menüpläne für jeden Tag (=Rezeptbuch) sowie ausgewählte Studienlebensmittel, wie natives Olivenöl aus Portugal (25 ml/d), eine Handvoll Nüsse (20 g/d) und ein mit langkettigen omega-3 Fettsäuren angereicherter Joghurt („Omeghurt“). Die Tagespläne wurden so gestaltet, dass die Kalorienaufnahme den DGE-Empfehlungen entspricht, wobei individuelle Einflussgrößen (Alter, Geschlecht, körperliche Aktivität) berücksichtigt wurden. Demzufolge wurden für die 20wöchige Interventionsphase, welche seit Juni 2016 beendet ist, 1120 Menüpläne erarbeitet. Im Rahmen der Studie erfolgten eine individuelle Ernährungsberatung, ein Gesundheitscheck inkl. Verwendung einer App zur Bewertung des kardiovaskulären Risikoprofils (Tracking) sowie die Ausgabe der Menüpläne und Studienlebensmittel (Nudging) im 14-tägigen Rhythmus.

Das praxisnahe MoKaRi-Konzept liefert zahlreiche Anregungen, Rezepte, Zubereitungsempfehlungen, welche nach wissenschaftlichen Kriterien und basierend auf den Nährstoffgehalten der Lebensmittel/Zutaten zusammengestellt wurden. Das Studiendesign sieht eine Nachbeobachtung nach 10 und 20 Wochen vor, so dass die Studie im November 2016 endet.

Im Anschluss an die statistische Auswertung der Datensätze werden die Ergebnisse veröffentlicht. Das Ernährungskonzept inklusive der Menüpläne soll der Bevölkerung zur Verfügung gestellt werden.

MoKaRi-Flyer

Finden Sie anbei den MoKaRi-Flyer zur herzgesunde Ernährung.

Rezepte im Glas

Entwickelt mit der Deutschen Gesellschaft für Ernährung - Sektion Thüringen finden Sie hier einige Vorschläge für Rezepte im Glas.

Wissenstransfer

Die Verstetigung sowie Verbreitung der Konzepte erfolgt über die Einbindung von nutriCARD in die Aus- und Weiterbildungsprogramme von Multiplikatoren. Die Implementierung der Konzepte erfolgt in Zusammenarbeit mit den nutriCARD-Partnern, wie z. B. der Sektion Thüringen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE), dem Verein zur kindgerechten Ernährungsbildung e.V., dem Landessportbund und der Landesarbeitsgemeinschaft Jugendzahnpflege Thüringen e.V., Krankenkassen sowie dem aid infodienst Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz e.V. und der DGE e.V. Hierbei arbeitet nutriCARD eng mit den zuständigen Landesministerien zusammen und erfährt dadurch eine zusätzliche Stärkung und Unterstützung. Der Wissenstransfer der in nutriCARD generierten Ergebnisse erfolgt maßgeblich durch die im Clustermodul 3 beschriebenen Projekte, wobei nutriCARD ständig bestrebt ist neue Möglichkeiten und Kanäle zur Verbreitung der Konzepte, Strategien und Ergebnisse etc. zu nutzen.