Forschungsansatz

nutriCARD verfolgt einen translationalen und interdisziplinären Forschungsansatz im Bereich der Ernährungsforschung.
In drei Clustermodulen werden grundlagen- sowie anwendungsorientierte Projekte bearbeitet.

Verbesserung der Rezeptur traditioneller Lebensmittel sowie Entwicklung neuer Lebensmittel

Entwicklung und Vermarktung herzgesünderer Lebensmittel mit reduziertem Gehalt an Fett, insbesondere gesättigten Fettsäuren und Salz und Bereitstellung wissenschaftlicher Daten zur Wirksamkeit herzgesünderer Lebensmittel (Humaninterventionsstudien)

Beitrag der Nährstoffe bzw. ihrer Metabolite im kardiovas-kulären Krankheitsprozess

Aufklärung des Zusammenhangs zwischen Ernährung/Lebensstil und kardiovaskulären Biomarkern in Kohortenkollektiven, Evaluierung von Gen-Nährstoff-Interaktionen, Identifizierung und Etablierung neuer prädiktiver Biomarker

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Verbraucheraufklärung und Multiplikatorenschulung

Entwicklung von Ernährungsstrategien zur Prävention kardiovaskulärer Erkrankungen unter Berücksichtigung von alters-, geschlechts- und Lebensstil-spezifischen Unterschieden und deren Kommunikation in die Bevölkerung sowie Entwicklung, Bereitstellung und Validierung von Informations- und Kommunikationsstrategien zur Verbesserung des Ernährungsverhaltens der Bevölkerung.

nutriCARD-Forschungsprojekte

Herzgesündere Lebensmittel

Charakteristisch für die Ernährung der westlichen Industrieländer ist eine zu hohe Aufnahme von Kalorien, Fett und insbesondere gesättigten Fettsäuren (SFA), Salz sowie einfachen Zuckern, während der Konsum von einfach und mehrfach ungesättigten Fettsäuren (MUFA, PUFA), Ballaststoffen, Fisch, Gemüse, Obst sowie Vitamin D und Kalium unzureichend ist. Die Reduktion der Energiezufuhr und insbesondere eine Verminderung der Aufnahme von SFA spielen eine Schlüsselrolle in der Prävention kardiovaskulärer Erkrankungen (KVE).

Die Ziele 

nutriCARD hat sich zum Ziel gesetzt, die Ernährungsgewohnheiten und hierbei insbesondere die kardiovaskuläre Gesundheit der Bevölkerung umfassend und nachhaltig zu verbessern.

Methoden

Zunächst wird sich nutriCARD auf die Verbesserung der Rezeptur von Wurstwaren konzentrieren. Perspektivisch soll das Nährstoffprofil weiterer Milchprodukte, Backwaren, Snacks und Fertiggerichte verbessert werden. Neben der Senkung des SFA-Anteils wird eine Anreicherung mit wertgebenden Inhaltsstoffen, wie n-3-Fettsäuren, Vitamin D, Protein und Ballaststoffen angestrebt.

Transfer

Aus vorangegangenen Projekten der nutriCARD-Partner sind bereits marktfähige Lebensmittel hervorgegangen (Butter mit erhöhten Gehalten an MUFA- und PUFA, Joghurt – angereichert mit n-3 PUFA aus marinen Quellen, mit Lupinenprotein angereicherte Eiscreme). Basierend auf diesen Lebensmitteln soll die Produktpalette schrittweise erweitert werden. Die bestehende enge Kooperation mit den ansässigen KMUs der Ernährungsbranche wird weiter ausgebaut. nutriCARD unterstützt die KMUs bei der Vermarktung der entwickelten innovativen Lebensmittel durch Überführung der wissenschaftlichen Hintergründe in praxisnahe Konzepte, die Prüfung der physiologischen Wirksamkeit sowie die Sammlung von Informationen anhand von Verbraucherakzeptanzstudien.

Projekt P1A

Projektkoordinatorin: Prof. Dr. Peggy G. Braun, Universität Leipzig

Die Zielstellung der im Clustermodul 1 angesiedelten Projekte WP1A1 - 4 liegt in der Entwicklung fettreduzierter Wurstprototypen (Roh-, Brüh- und Kochwurst), deren strukturelle, sensorische und technofunktionelle Eigenschaften mit denen der Vollfettvarianten vergleichbar sind, aber insgesamt eine höhere ernährungsphysiologische Wertigkeit durch den Zusatz von pflanzlichen Proteinen und/oder Ballaststoffen und n-3-Fettsäuren aufweisen.

Folgende Arbeitspakete werden bearbeitet:

WP1A1: Entwicklung/Herstellung Protein-angereicherter Würste

WP1A2: Entwicklung/Herstellung Ballaststoff-angereicherter Würste

WP1A3: Entwicklung/Herstellung Protein- und Ballaststoff-angereicherter Würste

WP1A4: Entwicklung/Herstellung n-3 PUFA-angereicherte Wurst

WP1A5: Innovatives Verfahren der Bioaddition zur Vitamin D-Anreicherung von Eiern

Projekt P1B

Projektkoordinatorin: Prof. Dr. Peggy G. Braun, Universität Leipzig

Die im Clustermodul 1 angesiedelten Arbeitspakete WP1B1 - 3 beschäftigen sich mit der Qualität der entwickelten Lebensmittel, wobei die Sicherheit und Verbraucherakzeptanz im Fokus stehen. Für die 2. Förderperiode ist die Bereitstellung von Studienlebensmitteln für die Humaninterventionsstudie zur Prüfung der physiologischen Effekte infolge des regelmäßigen Verzehrs der Pilotlebensmittel angedacht.

Folgende Arbeitspakete werden bearbeitet:

WP1B1: Prüfung/Bewertung der Lebensmittelqualität

WP1B2: Lebensmittelsicherheit

WP1B3: Verbraucherakzeptanz

WP1B4: Humaninterventionsstudie (Durchführung in der 2. Förderperiode)

Projekt P1C

Projektkoordinatorin: Prof. Dr. Steffi G. Riedel-Heller (UL)

Zielstellung des Teilprojektes ist die Vorbereitung/Unterstützung der Markteinführung der im Vorhaben entwickelten herzgesünderen Lebensmittel sowie die Entwicklung und lebensmittelrechtliche Prüfung von Werbeaussagen der Produktentwicklungen von nutriCARD.

Folgende Arbeitspakete werden bearbeitet:

WP1C1: Verbraucherverhalten

WP1C2: Analyse des Marktpotentials

WP1C3: Entwicklung einer Medienstrategie

Biomarker und Mechanismen

In der Diagnose und Risikoprognose für kardiovaskuläre Erkrankungen (KVE) stellen Gesamtcholesterin, LDL-Cholesterin- und HDL-Cholesterin-Konzentrationen bisher den Goldstandard unter den Biomarkern dar. Studien zeigen jedoch, dass es eine nicht unbeträchtliche Anzahl von Patienten mit symptomatischer KHK gibt, deren LDL-Konzentrationen sich im Normalbereich befinden. Dies verdeutlicht die dringende Notwendigkeit für die Etablierung zusätzlicher Diagnose- und Prognose-Tools.

Die Ziele 

Die Aufklärung der Mechanismen potentieller Nährstoffe, wie z.B. Vitamin D, pflanzlichem Protein (Lupine), langkettigen n-3 PUFA (Docosahexaensäure, Eicosapentaensäure) in Atherosklerose-Modellsystemen (in vitro- und Tiermodelle), wie auch die Ableitung von Zusammenhängen zwischen Biomarkern der Nährstoffzufuhr und dem kardiovaskulären Risiko sind die zentralen Fragestellungen des Clustermoduls.

Methoden

Zusammenhänge zwischen ernährungsrelevanten Biomarkern und dem kardiovaskulären Risiko unter Berücksichtigung geschlechtsspezifischer sowie genetischer und epigenetischer Unterschiede werden in Atherosklerose-Modellsystemen in vitro- und in Tiermodellen wie auch im Rahmen genomweiter Assoziations- (GWAS) und Humaninterventionsstudien untersucht. Im Rahmen von nutriCARD wurde ein Ernährungskonzept zur Umsetzung einer „kardioprotektiven Diät“ entwickelt. Die Wirksamkeit des ausgearbeiteten Ernährungs-Coaching-Programms hinsichtlich der Reduktion kardiovaskulärer Risikofaktoren wird anhand einer Humaninterventionsstudie getestet.

Transfer

Die Etablierung neuer Biomarker für die Diagnose und Risikoabschätzung kardiovaskulärer Erkrankungen wie auch die Etablierung neuer ernährungsrelevanter Biomarker (Biosignaturen) stellen grundlegende Pfeiler für die Herausgabe neuer Empfehlungen bzw. Leitlinien im öffentlichen Gesundheitswesen dar. Ferner können aus den Erkenntnissen neue Konzepte für Ernährungspräventionsstrategien sowie für die Entwicklung herzgesunder Lebensmittel abgeleitet werden.

Projekt P2A

Projektkoordinatorin: Prof. Dr. Gabriele I. Stangl, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Ziele: Untersuchung der mechanistischen Effekte von Nährstoffen in Atherosklerose-Modellen

Folgende Arbeitspakete werden bearbeitet:

WP2A1: Interaktionen von Vitamin D und Phosphat in der kardiovaskulären Pathogenese sowie im vaskulären Signalling

WP2A2: Identifikation von Biosignaturen nach dem Verzehr von Lupinenprotein im Vergleich zu Fleischprotein

WP2A3: Untersuchung neue kardioprotektiver Mechanismen der langkettigen n-3 PUFA 

Projekt P2B

Projektkoordinatoren: Prof. Dr. Stefan Lorkowski (Friedrich-Schiller-Universität Jena) / Winfried März (V. Medizinische Klinik, Medizinische Fakultät Mannheim, Universität Heidelberg)

Ziele: Identifizierung, Charakterisierung und Validierung von Biomarkern und Gen-Nährstoff-Interaktionen

WP2B1: Interventionsstudie - Modulation kardiovaskulärer Risikofaktoren durch persönliche Ernährungsberatung (MoKaRi) 

WP2B2: Bewertung potentieller Biomarker-Kandidaten

WP2B3: Identifikation neuer Biomarker der Nährstoffaufnahme

Kommunikation und Bildung

Der Wissenstransfer im Bereich der Ernährungswissenschaften bedarf neuer und insbesondere zielgruppenspezifischer Konzepte. Um alle Lebensphasen und Altersgruppen gleichermaßen für ein gesünderes Ernährungsverhalten zu sensibilisieren sowie die breite Bevölkerung zum Thema Ernährung zu informieren, sind verschiedene Strategien und Medien zur verbesserten Ernährungskommunikation notwendig.

Die Ziele 

Das Clustermodul zielt auf die Entwicklung und Implementierung zielgruppenspezifischer Konzepte und Strategien zur Verbesserung des Ernährungsverhaltens und des Lebensstils, welche alle Lebensphasen berücksichtigen. Ebenso liegt ein Fokus auf der Schulung von Multiplikatoren (universitär sowie nicht-universitär) im Bereich der Gesundheitsprävention und Ernährungsforschung. Grundlage bilden Kommunikations- und Bildungsstrategien, welche im Rahmen von nutriCARD entwickelt und implementiert werden sollen.

Methoden

Qualitative Interviews und quantitative Erhebungen, Beobachtungs- und Akzeptanzstudien sowie Fokusgruppen unter der Thematik „Gesunde Lebensführung“ dienen zur Erfassung der Bedürfnisse und Einstellungen der Verbraucher und bilden so die Grundlage für die Etablierung neuer Konzepte in der Verbraucheraufklärung. In diesem Zusammenhang ist die Integration von innovativen Social Media-Tools bzw. Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) angedacht.

Transfer

nutriCARD verbindet renommierte WissenschaftlerInnen mit langjähriger Erfahrung im Bereich der Ernährungswissenschaften mit Experten aus dem Gebiet der Verhaltens- und Kommunikationswissenschaften. Forschungsergebnisse fließen in Richtlinien und Empfehlungen ein und werden durch Multiplikatoren in die Praxis zu übertragen. Die beteiligten Partner sind in die Hochschulbildung eingebunden und können dadurch ihr generiertes Wissen an die Multiplikatoren weitergeben.

Projekt P3A

Projektkoordinatorin: Prof. Dr. Christine Brombach (Friedrich-Schiller-Universität Jena)

Im Clustermodul 3A werden Verbraucherkommunikations-strategien entwickelt, die auf innovativen Präventionskonzepten basieren und speziell an die Bedürfnisse und Gewohnheiten der Lebensphasen und Lebenswelten angepasst wurden.

Ziele im Projekt P3A: Förderung eines gesunden Lebensstils durch Verbraucherbildung

WP3A1: Konzeptentwicklung zur Verbesserung des Ernährungsverhaltens in jungen Familien

WP3A2: Konzeptentwicklung zur Verbesserung des Ernährungsverhaltens von Vorschülern und Grundschulkindern ≤ 10 Jahren und ihren Familien

WP3A3: Entwicklung von Kommunikationsstrategien basierend auf Massenmedien

WP3A4: Konzeptentwicklung zur Verbesserung des Ernährungsverhaltens der gesamten Bevölkerung unter Berücksichtigung individueller Aspekte

WP3A5: Entwicklung innovativer Tools zur Verbesserung des Ernährungswissens und der notwendigen Kompetenzen in den Zielgruppen

WP3A6: nutriRECIPE – Entwicklung, Testung und Implementierung eines Optimierungs- und Zertifizierungsschemas im Catering-Bereich zur Verbesserung der ernährungswissenschaftlichen Qualität der Rezepte

WP3A7: Validierung der entwickelten und bestehenden Instrumente und Konzepte zur Verbesserung des Ernährungsverhaltens

Projekt P3B

Projektkoordinatorin: Christine A. Dawczynski (Friedrich-Schiller-Universität Jena)

Clustermodul 3B verfolgt das Ziel, Kommunikations- und Bildungskonzepte zu entwickeln, die langfristig zu einem gesunden Ernährungs- und Lebensstil in der Bevölkerung beitragen. In diesem Zusammenhang steht die Ausbildung der Multiplikatoren aus dem universitären und nicht universitären Umfeld im Mittelpunkt. Neben der Implementierung der aktuellen ernährungswissenschaftlichen Informationen in die Lehrpläne und Unterrichtsmaterialien der Multiplikatoren steht auch die Anwendung innovativer Lernmethoden im Fokus der Projekte.

Ziele im Projekt P3B: Schaffung von Synergien und Verbesserung der Lehrpläne der Ernährungsbildung in Mitteldeutschland

WP3B1: Weiterentwicklung bestehender Kurse und Entwicklung neuer Konzepte für die nicht-uni­ver­si­tä­re Ausbildung von Multiplikatoren im Bereich der Gesundheitsförderung 

WP3B2: Schaffung von Synergien und Entwicklung neuer Konzepte und universitärer Angebote im Bereich der Ernährungsbildung

Beispiele für praxisnahe nutriCARD-Projekte:

  • Etablierung des Aktionsbündnisses "Gesund Aufwachsen in Thüringen" mit dem Ziel gemeinsame Projekte zu den Themen Ernährung, Bewegung und Zahngesundheit zu initiieren und umzusetzen (Kooperation mit dem Landessportbund und der Landesarbeitsgemeinschaft Jugendzahnpflege Thüringen e.V.)
  • Gamification: neue Ansätze für spielerische Ernährungsbildung in Schulen (Kooperation mit
    DGE-Sektion Thüringen, Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle und kindgerechte Ernährungsbildung e.V.)
  • Konzeption von Unterrichtsbegleitmaterialien zum Thema Ernährung / ernährungsmitbedingte Erkrankungen (in Kooperation mit DGE-Sektion Thüringen, Arbeitsgruppe Biologiedidaktik (FSU Jena) sowie Barmer GEK Thüringen)
  • Konzeption eines Schullehrgartens zur Ernährungsbildung (in Kooperation mit kindgerechte Ernährungsbildung e.V.)